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Zwifocha, blau

Jürgen Steiner über "Zwifocha, blau":

"Kurz nach Fertigstellung der zweiten CD ist mir aufgefallen, dass Heigeign keine einzige Polka im Programm hat, was insofern schade ist, weil hier bei uns "auf dem Land" die Blaskapellen mit ihrem Repertoire aus böhmischer Blasmusik und k. u. k. Militärmusik im öffentlichen Musikleben sehr präsent sind.

Das erste musikalische Thema, das mir dazu eingefallen ist, war dann zwar in Moll (nicht sehr typisch), hat aber rhythmisch sehr gut mit der Polka-Begleitung harmoniert. Ursprünglich gab es die Verschiebungen zwischen Polka- und Walzerrhtyhmus nur in der Melodie, während die Polkabegleitung stoisch weiterlief  (vier 3/8-Gruppen über drei Polka-Takten). Nachdem ich einmal ausprobiert hatte, wie es wäre, auch in der Begleitung von Polka auf Walzer zu wechseln, war der Zwifoche geboren.

Jezt war's eigentlich einfach: während das erste Thema hauptsächlich im 2/4-Takt steht, das manchmal von ein paar 3/8-Takten unterbrochen wird, ist's beim zweiten umgekehrt: ein Polkatakt hebt an, und sofort geht es mit in paar (immer weniger werdenden) Waltzertakten weiter. Und im Bassolo (das wäre jetzt Militärmarsch, nicht böhmische Polka) wechslen die beiden Taktarten einander fast regelmäßig ab.

Soweit gekommen, war die ursprüngliche Polka-Referenz kaum mehr zu hören, das wollte ich im Trio behoben werden: endlich Dur statt Moll, ein chromatisches Thema in Terzen: nichts, was die Tenorhörner in einer "klassischen" Polka nicht auch überzeugend anstimmen könnten. Harmonisch hab' ich dann allerdings beim Blues Zuflucht genommen, was dann den Zwifochen "blau" werden ließ. Wenn man genau hinhört, wird konkret der Einfluss von Miles Davis' "All Blues" deutlich: die chromatische Rückung im dritten Drittel und das Auf und Ab der Begleitstimmen (im Original die Saxophone, bei uns die Gitarren-Akkorde) sind da deutliche Indizien.

Der 3er-Takt hält sich zu Beginn noch im Hintergrund, bei der Wiederholung des Trio-Themas (jetzt würden die Flügelhörner die Tenorhörner doppeln, die Tschinnellen offen statt geschlossen gespielt und generell alles ein bisschen feierlich werden) ist er wieder voll da und schnappt sich die zweite Hälfte des Themas.

Bei der Blasmusik wär's jetzt aus, bei uns kommt noch einmal die Reprise des ersten Themas. Damit geht's aber auch wieder zurück nach Moll, und so hilft nur mehr eine Stretta, um doch noch zu einen schwungvollen Abschluss zu kommen, nachdem der Absprung bei freundlichem Dur "versäumt" worden ist..."


Zu hören auf der CD "INDIGO"

 
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